elisabeth riederer
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elisabeth Riederer

Dipl. Lebens- und Sozialberaterin 

Logotherapie und Existenzanalyse
nach V. E. Frankl

Trauma- und Krisenberatung
zertifiziert Sigmund-Freud-Universität


elisabeth riederer

Sehnsucht - LEBEN


Mehr - besser - schneller  - schöner….alles Attribute, die den Motor unserer modernen Gesellschaft antreiben.
Überall wird von Wirtschaftskrise gesprochen, obwohl es sich, wenn wir uns so das politische Geschehen anschauen, mehr um eine Moral- und Kulturkrise handeln dürfte, in der wir uns befinden. Es hat den Anschein, die Mittelschicht unserer Gesellschaft wird immer kleiner, Individualität verschwindet immer mehr und der Konkurrenzkampf wird immer größer. Durch Spekulation und Korruption wird mehr verdient (verdient ist wohl der falsche Ausdruck, denn darin steckt das Wort „dienen“), als durch Investition und täglicher Arbeit der ehrlichen Bürger.
Wenn wir eine gesunde Wirtschaft und eine zufriedene Gesellschaft wollen müssen wir immateriellen Werten den gleichen Stellenwert einräumen, wie materiellen. Gewissen und Verantwortungsbewusstsein für die nächste Generation dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Die Gesellschaft muss sich solidarisieren und  Widerstand leisten, wenn  „manche Macht-Haber“ nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind und das Wohl der „Gemeinschaft Mensch“ aus den Augen verlieren.
Fest steht für mich auch, dass ein Schritt halten mit den Anforderungen der heutigen Welt für den Einzelnen und für Familien oft sehr schwierig und belastend ist. Beschleunigung, Konsumzwang, Perfektionsanspruch, Manipulation führen zur inneren Vereinsamung des Menschen und wahrscheinlich auch zum Bruch von Familien. Der Mensch hat aber die Sehnsucht (und das Recht) als Person gesehen zu werden – und zwar in seinem So-Sein bzw. So-Geworden-Sein und nicht weil er mit den von der Gesellschaft geforderten Attributen mithalten kann. Durch Krankheit oder andere Schicksalsschläge kann auch der/die Beste, Klügste, Schönste …ganz schnell aus diesem Zeitgeist-Karussell herausgeschleudert werden. Von einem Augenblick zum anderen werden dann die Grenzen des Machbaren vor Augen geführt und so manchem wird in solcher Situation bewusst, dass er/sie jahrelang den falschen Werten nachgelaufen ist.
Was der Mensch braucht ist das wohlwollende Naheverhältnis zum Menschen, das angenommen Sein vom Mitmenschen und nicht eine anonyme  Masse als Publikum. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass die echte Bestätigung der menschlichen Existenz in Macht, Ruhm und Erfolg liegt.
Verständnis, Vertrauen, Gerechtigkeit, Liebe, Freundschaft, Anerkennung der Person…gesunde Bedürfnisse eines jeden Menschen. Wir sollten uns bemühen diese zu erfüllen und auch erfüllt zu bekommen. Keinem Menschen kann es auf Dauer wirklich gut gehen, wenn diese Bedürfnisse in einer zu sehr auf Konsum und wirtschaftliches Wachstum ausgerichteten Welt auf der Strecke bleiben – wenn „das Wesen-tliche“ aus den Augen verloren wird. In einer sich so im Wandel befindlichen Zeit, wo Globalisierung und Technik in rasantem Tempo an Bedeutung gewinnen, sollten wir auf „kostbare Werte“, die doch „nichts Bares kosten“ aber unsere Seele nähren und letztendlich auch zur Lebenszufriedenheit und zu einem erfüllteren Leben wesentlich beitragen, besonderes  Augenmerk legen. Wenn älter werden in dieser modernen Gesellschaft gelingen soll, müssen wir versuchen altbewährte Überzeugungen, die über Generationen hinweg ihre Richtigkeit hatten, in diese - unsere Zeit - zu übertragen. Es ist meine feste Überzeugung, dass dem Menschen alles zuzutrauen ist – im Schlechten, aber ganz bestimmt auch im Guten.
elisabeth riederer

Diagnose - Krebs

„Warum gerade ich?“

Eine Krebsdiagnose ist von einem Moment auf den anderen ein mit einem großen Schock verbundener, gewaltiger Einschnitt im Leben eines Menschen – Ängste, Schmerzen, Ungewissheit….all das stürzt plötzlich auf den Betroffenen herein.
An Krebs erkrankte Menschen und ihre Angehörigen sind immensen seelischen Belastungen ausgesetzt und brauchen besondere Zuwendung und Unterstützung.

Oft fragen sich betroffene Menschen auch: „Warum gerade ich?“
Die Gedanken kreisen ständig um die unabänderliche Diagnose, um Angst, Schmerzen und Sterben. Wenn bei dieser Frage hängen geblieben wird, führt das
in eine Sackgasse und sämtliche im Menschen vorhandene Lebensenergie wird blockiert. Ein Heraus aus dieser Sackgasse und ein Weiterbewegen in Richtung Zukunft ist nur möglich, indem sich Betroffene durch Beschäftigung mit dem Schicksalhaften im menschlichen Leben den Fragen des Lebens stellen.

»…wir müssen zwischen Leiden und Verzweifeln unterscheiden. Ein Leiden mag unheilbar sein, aber der Patient verzweifelt erst dann, wenn er im Leiden keinen Sinn mehr sehen kann. «
V. E. Frankl

Im Umgang mit schwerem Leiden bzw. mit einer lebensbedrohlichen Krankheit geht es immer um existenzielle Fragen – um die Tragische Trias, also um Leid, Schuld und Tod.


   
elisabeth riederer
Für gewöhnlich sieht der Mensch nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit;
was er übersieht, sind die vollen Scheunen der Vergangenheit.
Im Vergangensein ist nämlich nichts unwiederbringlich verloren,
vielmehr alles unverlierbar geborgen.
(Ärztliche Seelsorge – V.E.Frankl)

LebensSpuren
Rückschau statt Rückzug

Im vertraulichen Gespräch

die eigene Lebensgeschichte…
  …noch einmal erzählen, überdenken, bewußt machen...

und dadurch…
  …Verständnis und Wertschätzung erfahren
  …Schweres als zum Leben dazugehörig betrachten
  …sich nochmals an Schönem erfreuen
  …die Zukunft entwerfend gestalten

Unser Leben ist nicht das, was geschah, sondern das,
was wir erinnern und wie wir es erinnern.

Lebens-Rückschau

Lebensrückschau ist für mich, um es mit dem Zitat von V.E. Frankl zu sagen, der Blick in diese vollen Scheunen - nicht ein trostloser Blick auf ein abgemähtes Stoppelfeld - nicht auf die Vergänglichkeit sondern in die Vergangenheit schauen.

Mit Gelassenheit und Ruhe der reiferen Jahre wird auf das schon gelebte Leben zurückgeblickt.

In diesem Rückblick das bisherige Leben nochmals würdigen und wertschätzen und den Menschen in seinem So-Geworden-Sein verstehen. Aus diesem Wertschätzen und Verstandenwerden heraus entsteht für den jeweiligen Menschen wieder Kraft für den Alltag und auch, um weiter in die Zukunft zu gehen und die Endlichkeit für sein Leben akzeptieren und annehmen zu können.

Die Aufgabe einer solchen Rückschau besteht nicht darin, Vergangenheit zu verherrlichen oder gar auf Fehlverhalten hin zu durchleuchten.

Durch Erzählen der Geschichten aus dem eigenen Leben, durch Formulieren der Gedanken und Gefühle, soll die Einzigartigkeit und Einmaligkeit eines jeden Lebens nochmals an Bedeutung und Wert gewinnen. Im Nachhinein kann der Sinn von gelebtem Leben oft sehr klar empfunden und erkannt werden.

Aktives Zuhören, gezieltes Nachfragen können manchmal noch ganz tief vergrabene und schon in Vergessenheit geglaubte Geschichten zum Vorschein bringen, und diese Geschichten stärken uns auf dem Weg nach vorne. Ein wohlwollender und empathischer Blick auf das eigene Leben ist auch hilfreich sich mit Episoden oder Aspekten aus dem eigenen Leben, die weniger schön waren, zu versöhnen.

elisabeth riederer
„Der Tod macht das Leben nicht sinnlos, denn was wären wir, wenn wir unsterblich wären?“ (V.E.Frankl)

Jeder Mensch weiß tief drinnen, dass er früher oder später sterben muss und dass er
sich der Frage nach dem Sinn seines Daseins stellen sollte.
Dieser Gewissheit versuchen manche Menschen durch ständige  Aktivitäten, extremes Karrierestreben, durch übertriebenen Jugendkult, durch gesteigertes Konsumverhalten … davonzulaufen - „Sterben tun immer nur die anderen.“
Tatsache ist aber, dass am Ende eines jeden Lebens der Tod steht.
Das Sterben in unser Leben einzubauen, es nicht von sich weg zu schieben, sondern es als einen Teil des Lebens, als etwas Naturgegebenes zu integrieren, das wäre eine Möglichkeit, um die Angst vor diesem Thema zu verringern.
Intensives und bewusstes Leben ist nur möglich, wenn wir achtsam sind und uns schon mitten im Leben auch mit unserer Endlichkeit beschäftigen. Jeder Tag, der vorbei ist…ist vorbei, bis eines Tages mein Leben vorbei ist – wir haben nur dieses eine Leben und daran sollten wir uns gelegentlich erinnern. Nicht um trübsinnig zu werden, sondern um uns an der einmaligen Chance unseres einmaligen Lebens zu erfreuen. Das Tragische ist ja nicht, dass wir Menschen dazu bestimmt sind eines Tages zu sterben - das haben schon Millionen unserer Vorfahren getan - das wirklich Tragische wäre doch sein Leben nicht gelebt zu haben.
Solange ich lebe klopft das Leben immer wieder an meine Tür und stellt mir die Frage,
welche Werte ich in meinem Leben noch verwirklichen möchte und wer (welche Menschen) und was (welche Aufgabe) für mich bedeutsam ist  – wodurch ich mein Leben mit Sinn erfülle.
Natürlich geht es letztendlich um die Spuren der Liebe, die wir, in welcher Form auch immer, auf dieser Welt einmal hinterlassen werden.

Zwei wesentliche Fragen am Ende des Lebens:
Ist es mir gelungen Freude zu empfinden?
Hat mein Leben anderen Freude bereitet?

Damit diese Fragen gegen Ende unseres Daseins dann auch mit JA beantwortet werden können, sollten wir sie uns in der Gegenwart - so als eine Art Zwischenbilanz - immer wieder einmal stellen.

elisabeth riederer

Weisheit im Alter
„Frag doch die Alten, sie werden es dir sagen!“

In unserer Zeit wird es als Ideal angesehen, möglichst lange jungendlich zu bleiben. Dem Alter werden sämtliche negativen Attribute zugeschrieben. Die Formel „Jugend gleich wertvoll, Alter gleich wertlos“ ist ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft und gleichzeitig auch absurd, denn es werden „die Jungen“ auch wieder ganz bald „die Alten“ sein.
Wir dürfen im Altern nicht immer nur besorgt den Abbauprozess des Körperlichen und die dadurch verbundenen Mehrkosten für unser Sozialwesen sehen.
Welches Potential in der Weisheit des gereiften, alten Menschen für unsere Gesellschaft liegt, wird von der modernen Gesellschaft kaum erkannt – leider ist unserer Zeit das Gespür für den Sinn und die Weisheit des Alters abhanden gekommen. Wer soll denn über „das Geheimnis des Menschseins“ und über „die Spielregeln des Lebens“  noch Bescheid wissen, wenn nicht „unsere Alten“.
In Weisheit altern hat für mich mit der tieferen Einsicht ins Wesentliche, mit dem Erkennen der Sinnzusammenhänge zu tun.  
Natürlich hängt gelingendes Altern nicht einzig und allein von  Weisheit ab. Äußere Faktoren wie das soziale Umfeld, liebevolles Umsorgtsein, Ängste oder Vereinsamung, Wohlstand oder Mindestrente, relative Gesundheit oder Krankheit, Schmerzfreiheit oder chronische Schmerzen – all das spielt eine Rolle.
Und doch ist es die von Plato als Kardinalstugend bezeichnete Weisheit, die einen maßgeblichen Anteil am Gelingen des Alterns hat.

Ein gelungener Lebensabend zeichnet sich meiner Erfahrung nach oft durch folgende Eigenschaften und innere Haltung aus:

  • Lebensaufmerksamkeit – durch das Bewusstsein der menschlichen Vergänglichkeit und ein „der Endlichkeit Ins-Auge-Schauen“ wird das Hier und Jetzt ganz gelebt.
  • Der gelassene Blick auf das immer näher rückende Lebensende ermöglicht ein Loslassen, ein  Weg von der Geschäftigkeit des Alltags und vom Sich-Beweisen, vom Leisten-müssen.
  • Zu sich kommen und innerlich mit sich selbst und den anderen versöhnt sein. Ein weiser, alter Mensch kennt auch seine Schatten und nimmt diese versöhnlich an.
  • Humor (nicht Spaß, Witz oder Komik) ist eine besonders liebenswürdige und wertvolle Gabe weiser, alter Menschen. Echter Humor ist Ausdruck von Abgeklärtheit, Heiterkeit und Toleranz gegenüber allen Menschen und dem Leben generell.
  • Spiritualität – in dieser dritten Lebensphase sollten wir uns nun endgültig die Frage stellen: „Woraus kann ich schöpfen, damit ich nicht so leicht erschöpft werde?“

Bei allem Bemühen auf den Weg zur eigenen Weisheit sollte uns doch auch klar sein, dass wir auf dieser Welt nie zur Vollkommenheit gelangen können, denn so vollkommen ein menschliches Wesen schon zur Stunde seiner Geburt ist, so unvollkommen (Vollkommenheit ist dem Menschen nicht zugedacht) wird es trotz aller Anstrengungen ein Leben lang bleiben.

Vielleicht könnte dann folgende Grabinschrift auch für uns gelten:
sie/er lebte noch, als sie/er starb.

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